Kavendish

Spielend durchs Leben

Review Doodle Jump

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Die Meldung ist ein echter Hammer! Mehr als zwei Millionen Dollar
Umsatz feuert das Softwarebüro Lima Sky Inc. pro Jahr durch Apples
Appstore. Ein Wahnsinns Unternehmen? De Facto ist die Rede von zwei
einsamen Programmierern in einer besseren Besenkammer irgendwo in
Amerika, die lediglich ein einziges wirklich zugkräftiges Pferd im
Stall haben:
Doodle Jump.

Ein flinker Blick in die Top 25 aus mindestens 95% aller
Länderabhängigen Appstores zeigt das kleine grüne Doodle Jump
Trompetentierchen auf weißem Karopapier und einer Rakete auf dem
Rücken unter den ersten fünf Plätzen, und das seit Monaten! Die
Bewertungen lesen sich beinahe durchweg wie eine Rezension zu den
Auswirkungen von gut gepflanztem Mok – addicting as hell. Grund Genug,
den konstant 0,79€ günstigen Grasersatz zu testen. Grün ist es ja
schonmal.

Das Hauptmenü besticht durch ein ständiges, nerviges und immer
gleiches “Boing! Boing! Boing!…” des springenden Trompetentierchens
in der Frequenz eines nicht ganz zugedrehten Wasserhahns. Mein
verzweifeltes Anschalten des iPods bewirkt ein Übereinanderlegen von
ingame Soundeffekten und “Boing!”, was kurzzeitig darin ausartet, dass
ich versuche, durch das richtige Timing beim iPod-Start “Boing!” und
Peter Fox’ “Schwarz zu Blau” zu synchronisieren. Erfolglos. Egal,
wenigstens wird das monotone “Boing!” groovig ergänzt.

Vier Menüpunkte gibt es. Play, Challenge, Scores & Stats und Options.
Via Fingerswipe am unteren Bildrand lassen sich außerdem verschiedene
Gamethemes alternativ zum Standard-Theme auswählen und News von Lima
Sky lesen. Ich wähle sogleich ein Regenwald-Theme und hoffe auf
nymphomanische Eingeborenenstämme, die ich mit meiner langen, grünen
Trompete… lassen wir das.
In den Optionen lässt sich unter anderem die Steuerung über den
Beschleunigungssensor kalibrieren. Eine wichtige Funktion für
Wettbewerbe mit der Überschrift pass the iPhone. Ferner ist das
Fratzenbuch (aka Facebook) und Twitter zur Anbindung frei und ein Auto-
Submit für Highscores ist möglich. Keine Angst vor Blamagen, der King
Louie in mir aktiviert den Auto-Submit. Erledigt. Die Feststellung,
dass sich hier der Sound ausschalten lässt wird kurzfristig negiert -
in diesem Menu ist es still.
Zurück ins Hauptmenü (“Boing! Boing!…”, *grrr*) Unter Challenge
kann man Freunde aus der Kontaktliste mit neuen Highscores belästigen,
während die Mail die grüne Droge anpreist: “…this Game is SO
ADDICTIVE!!…”

Junkiegeschwafel eben, denke ich und starte mit Play das Spiel. Grüne
Balken füllen das Bild mit ebenso grünem Regenwaldhintergrund und mit
inzwischen unregelmäßigem “Boing!” springt das Trompetentierchen ganz
von allein auf die ersten Plattformen. Ich entdecke sogleich die
Steuerung durch den Beschleunigungssensor und bugsiere Trompeti mit
Schwung an der nächsten Plattform vorbei und der Ton
“Pfüüüü…h…” läutet die Information ein: “Your Highscore:
3.267″. King Louie schlägt darauf die internationale Highscoreliste
auf um festzustellen, wie viele Punkte Vorsprung er bereits auf den
Zweitplatzierten hat. Der Betrag ist negativ. Deutlich.
Ich frage mich bei dieser Gelegenheit für einen kurzen Moment, welcher
irre Nerd einen ganzen Tag auf dem Klo vor Doodle Jump verbracht hat
um fast 4.197.000 Punkte zu erreichen! Ein Spiegel im Raum zündet das
Kopfkino, ich verwerfe die Frage und noch während ich überlege, ob
ich einen neuen Angriff auf den Globalen Highscore wage, stelle ich
fest, dass ich schon wieder mitten im Spiel bin. Das geht ein paar mal
so, bis der lapidare Blick zur Uhr Paulchen Panther auf den Plan ruft.
Es sind etwa zwei Stunden vergangen – guter Stoff, Alter…
Egal, noch ne Runde. Vorher aber kurz auf das Standard-Theme geswiped,
der einsetzende Regen nervt. Oh, Spiel läuft schon wieder. Ich bekomme
irgendwie nie mit, dass ich auf Play gedrückt habe (“Boing! Boing!…”)
Mit steigendem Highscore kommen neue Entdeckungen. Ein Jetpack, das
mich gefühlt geradewegs in die Plattformstratosphäre katapultiert
(Achtung, Soundabwechslung: “Shhhhhh…”) Sprungfedern, an den Füßen
oder auf Plattformen festgeklebt (Ihr erratet es bestimmt schon:
“DÄNGGGG! DÄNGGGG!…”) und ein Propellerhut (!), der in der Optik
ein wenig an die Looser-Cap aus American Pie 3 erinnert (genau:
“…drrrrrrrr…”). Außerdem entdecke ich durch eine Panikreaktion
meines Katers, der neben mir Platz genommen hat und sein Interesse
durch einen beherzten Prankenpatsch auf das Display kundtut, dass das
Rüsselvieh schießen kann! Das unvermittelte “TSCHIUU!!” lässt mich
gleich in den Abgrund segeln (nein, nicht der Patsch) Wieder nichts
mit dem Highscore. Dafür entdecke ich beim nächsten Spiel Gegner! Die
Geräuschkulisse erweitert sich um “rirrirorrrrirrirorrrr…”. Zum
ersten Mal überlege ich, ob ich jemals einen so nervtötend blamablem
ingame-Sound erlebt habe. Die Antwort ist nein, aber zu
Synchronisationszwecken lasse ich ihn trotzdem an…

Abschließend lässt sich über Doodle Jump sagen, dass die einfache
Grafik und der wirklich unterirdische Sound ein stimmiges Gesamtbild
von “gerade-eben-kurz-zusammengeschustert” vermitteln. Dieses gewollte
Täuschungsmanöver steigert die Verwunderung über den endlosen
Suchteffekt dieses Spiels noch deutlich! Mit der Zeit wächst man über
Erfolge hinaus, die selbst Heike Henkel zu ihren besten Zeiten
schlicht platt gemacht hätten. Eine letzte metaphorische Annäherung
an die Beschreibung des kleinen Rüsseltier-Protagonisten:
So konsequent springend stelle ich mir Guido Westerwave nach einem
Besuch von Wolfgang Pobereit vor.
Ich geh wieder Jumpen…

Kurzübersicht:
Grafik 4/10
Sound 2/10
Spielspaß 10/10
Suchtfaktor 10/10
Mobilfaktor 10/10

Subjektive Gesamtwertung: 10/10

Fazit: Doodle Jump sollte auf keinem iPhone oder iPod Touch fehlen.
Auf wirklich GAR keinem!

Autor: WaschbaerNuppy

iPhone addicted, Salesman und kleiner Rocker

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